KI-Content verkaufen, aber nicht damit schreiben können

Überall dieselbe Botschaft: KI produziert qualitativ hochwertige Inhalte. Blogposts, Produkttexte, Social-Media-Beiträge, Newsletter. Schnell, günstig, skalierbar. Die Berater listen Tools auf, beschreiben Workflows, nennen Kennzahlen. Der Tenor ist Begeisterung. Die Zukunft des Contents ist automatisiert.

Und dann schaust du, wie dieselben Leute ihre eigenen Sachen schreiben. Von Hand. Weil die Qualität der KI nicht ausreichte.

Ich habe das in den letzten zwei Jahren immer wieder beobachtet. Berater, die ihren Kunden KI-Content empfehlen, schreiben ihre eigenen Texte selbst. Agenturen, die KI-Workflows verkaufen, lassen ihre Pitchdecks von Menschen formulieren. Autoren, die KI-generierte Texte als hochwertig bezeichnen, schreiben ihre Bücher von Hand. Die Qualität reicht offenbar nicht aus, wenn der eigene Name draufsteht.

Das ist kein kleiner Widerspruch. Das ist der zentrale Widerspruch der ganzen Branche.

Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder KI-generierter Content ist qualitativ hochwertig, dann könnte man auch seine eigenen Sachen damit schreiben. Oder er ist es nicht, dann sollte man ihn nicht so nennen. Eine dritte Option gibt es nicht. Außer der naheliegendsten: Es kommt darauf an, für wen.

Und genau das ist der Punkt, über den niemand redet. KI-Content ist gut genug für dich, aber nicht gut genug für mich. Die Empfehlung richtet sich nach unten. Die Berater, die Experten nutzen es als Zuarbeit, als Entwurf, als Rohstoff. Was sie selbst veröffentlichen, schreiben sie anders. Aber was du veröffentlichen sollst, kann ruhig aus der Maschine kommen.

Das ist eine Form von Arroganz, die sich als Beratung tarnt. Sie funktioniert, weil niemand den Widerspruch bemerkt. Die Empfehlung steht im Verkaufsgespräch. Die eigene Praxis sieht man nicht.

Ich habe in dreißig Jahren viel Beratung gesehen. Und die zuverlässigste Warnung war immer: Wenn jemand dir etwas empfiehlt, das er selbst nicht nutzt. Der Arzt, der raucht. Der Finanzberater, der mietet. Der Berater, der KI-Content preist, aber seine Texte von Hand schreibt.

Was sie eigentlich sagen, ohne es zu sagen: KI-generierte Texte sind gut genug für Masse. Für Volumen. Für die tägliche Flut an Inhalten, die niemand wirklich liest. Für den Newsletter, den du überfliegst. Für den Blogpost, den du nach drei Sätzen schließt. Für die Produktbeschreibung, die austauschbar ist. Dafür reicht es.

Aber für etwas, auf dem dein Name steht? Für etwas, das deine Reputation trägt? Für etwas, das länger als eine Woche relevant sein soll? Dafür reicht es nicht. Die Leute, die es empfehlen, wissen das. Sie sagen es nur nicht.

Die Frage, die sich daraus ergibt, ist unangenehm. Wenn der Content, den du mit KI produzierst, gut genug ist, was sagt das über den Content? Und wenn er nicht gut genug ist, was verkaufst du dann deinen Kunden?

Es gibt Texte, bei denen die Herkunft egal ist. Formulare, Standardbeschreibungen, automatisierte Benachrichtigungen. Niemand erwartet dort eine menschliche Stimme. Aber die Branche spricht nicht nur über Formulare. Sie spricht über Marketingtexte, Thought Leadership, Kundenkommunikation. Über die Texte, an denen Vertrauen hängt. Und empfiehlt dafür ein Werkzeug, das für die eigene Arbeit nicht ausreicht.

Qualitativ hochwertig. Der Begriff wird wie ein Gütesiegel verwendet. In der Praxis bedeutet er: ausreichend. Nicht fehlerhaft. Nicht peinlich. Passabel. Er bedeutet nicht: gut. Nicht: überzeugend. Nicht: etwas, auf das du stolz wärst.

Der ehrlichste Moment ist immer, wenn du siehst, was jemand für sich selbst tut statt für seine Kunden. Da zeigt sich, was er wirklich von der Sache hält.