Was Gebäude kosten 1/3: Was kostet es?

2012 hat ein Forschungsteam des Bayerischen Landesamts für Gesundheit in sechs deutschen Schulen ein Experiment gemacht (Twardella et al., 2012, Indoor Air). In 20 Klassenzimmern haben sie die Luftqualität verändert, einmal gut bei 1.045 ppm CO2, einmal schlecht bei 2.115 ppm. Dann haben sie die Kinder mit einem standardisierten Konzentrationstest geprüft.

Die Kinder mit schlechter Luft waren nicht müder und nicht langsamer, aber die Fehlerrate stieg signifikant. Weder die Kinder noch ihre Lehrer haben das bemerkt.

2.115 ppm CO2 sind keine Extremwerte. In vielen deutschen Klassenzimmern ohne mechanische Lüftung liegen die Werte höher. Kinder verbringen einen grossen Teil ihres Tages in diesen Räumen, und sie haben keine Möglichkeit, die Bedingungen zu beurteilen oder zu verändern.

An der Charité in Berlin haben Ärzte und das Architekturbüro GRAFT 2013 zwei Intensivzimmer umgestaltet. Sie haben Beleuchtung installiert, die den Tag-Nacht-Rhythmus simuliert, den Lärm gedämmt und die sichtbare Medizintechnik hinter Wandpaneelen versteckt. Die Delirium-Rate in diesen Zimmern lag bei 46 Prozent. In den Standardzimmern bei 76 Prozent (Spies et al., 2024, Critical Care Medicine). ICU-Delirium verlängert den Krankenhausaufenthalt und kostet pro Fall fünfstellige Beträge.

Joseph Allen hat in der COGfx-Studie gemessen, wie die Luft in Bürogebäuden das Denken beeinflusst (Allen et al., 2016, Environmental Health Perspectives). In gut belüfteten Gebäuden lagen die kognitiven Testergebnisse doppelt so hoch wie in konventionell belüfteten. Krisenbewältigung war 131 Prozent besser, strategisches Denken 288 Prozent.

Die Befunde sind weder neu noch vereinzelt. Roger Ulrich hat 1984 gezeigt, dass Krankenhauspatienten mit Blick auf Bäume weniger Schmerzmittel brauchen und schneller entlassen werden (Ulrich, 1984, Science). Die Studie wurde hundertfach repliziert. Die WHO schätzt, dass 13 Prozent des Asthmas bei europäischen Kindern auf feuchte Wohnungen zurückzuführen sind (Braubach et al., 2011, WHO Europe). Die Evidenz erstreckt sich über Jahrzehnte und Hunderte von Studien.

Deshalb habe ich aus meiner Erfahrung mit KI-basierten Auswertungen im Marketing und Handel ein System entwickelt, das die Forschung zu diesen Effekten nach Gebäudetyp und Nutzergruppe auswertet. Das war eine relativ große Grätsche, aber dank künstlicher Intelligenz und entsprechenden Coding-Tools war der Weg weniger steinig als gedacht. Die Datenlage war umfangreich und weil wissenschaftlich auch sehr konsistent und gut auszuwerten. An wissenschaftlicher Forschung und Möglichkeiten, sie für die Praxis auszuwerten, fehlt es nicht. In der Planung oder baulichen Umsetzung kommt sie nur nicht an. Die Forschung ist nach Disziplin organisiert. Wer ein Schulgebäude plant, müsste Akustik, Lichtforschung, Raumklima und Materialforschung parallel durcharbeiten. Jedes Feld hat eigene Kontexte und Logiken. In der Praxis tut das kaum jemand.

Die Entscheidungen, die über Raumqualität bestimmen, fallen im Grundriss und in der Haustechnik. Viele davon kosten nichts extra. Ob ein Patient aus dem Fenster auf Bäume oder auf eine Brandmauer schaut, ist eine Frage der Planung. Diese Entscheidungen basieren nicht im notwendigen Ausmaß auf der vorhandenen Datenlage. Die Planer entscheiden trotzdem, auf welcher Grundlage auch immer.

Wie meine Texte entstehen, steht hier.