Es ging lange nach oben. Jedes Jahr mehr Umsatz, jedes Jahr neue Leute, die sagten: Das funktioniert. Ich habe das nicht hinterfragt. Warum auch. Es funktionierte.
Das Problem ist: Wenn es nach oben geht, merkst du nicht, wie hoch du schon bist. Du schaust nicht runter, sondern auf den nächsten Schritt. Und der fühlt sich immer richtig an, weil der letzte auch richtig war.
Irgendwann war ich oben. Und oben sieht die Welt anders aus. Du hast Anerkennung. Leute hören zu, wenn du redest. Und du gewöhnst dich daran, so schnell, dass du vergisst, wie es vorher war.
Dann bin ich gefallen. Nicht langsam, nicht kontrolliert. Einfach weg. Die Details lasse ich weg, der Punkt ist: die Fallhöhe entspricht exakt den Höhenmetern vom Aufstieg. Und selbst wenn es dir vorher jemand genau so prophezeit, perlt es an dir ab. Du willst Erfolg, und verkauft wird dir nur, was du wirklich willst. Deshalb zeigen sie dir nur die Bergspitze. Den Weg nach unten verschweigen sie, weil er unbequem zu erklären ist.
Nach dem Fall habe ich angefangen, anders hinzuschauen. Nicht auf das, was Leute sagen, sondern auf das, was sie weglassen. Ich habe gehört, wie jemand sagte: Geld ist mir nicht so wichtig, es geht mir um die Sache. Und ich habe gewusst, dass das nicht stimmt. Nicht weil der Mensch lügen wollte. Sondern weil er sich selbst belogen hat, genauso wie ich mich jahrelang belogen habe.
Das Schwierigste nach dem Fall war nicht der Verlust. Es war die Erkenntnis, dass ich eine Maske getragen habe, die sich angefühlt hat wie mein Gesicht. Ich konnte nicht sagen, wo die Rolle aufhörte und wo ich anfing.
Ich weiss bis heute nicht genau, was Glück ist, wenn Erfolg wegfällt. Ich weiss nur, dass die Antwort nicht in dem liegt, was wir einander erzählen. Sie kommt irgendwann von selbst. Wenn man aufhört, sich etwas vorzumachen.